Insolvenzquote: Wie viel bekommen Gläubiger?

Ausgewertet aus 97.057 Verteilungsverzeichnissen der letzten vier Quartale: Bei Unternehmen zahlen 88 % der Verfahren etwas aus, im Median 14,4 Cent je Euro. Bei Privatinsolvenzen geht die Mehrheit der Gläubiger leer aus.

Zeitraum Q4 2025 – Q3 2026 · aktualisiert jedes Quartal · Datenstand 6.10.2026

Privatpersonen

41 %

der Verteilungen zahlen etwas aus

Medianquote bei Ausschüttung4,9 %
Ø Quote inkl. Nullquoten6,1 %
Verteilungen67.979

Kleingewerbe & Selbstständige

59 %

der Verteilungen zahlen etwas aus

Medianquote bei Ausschüttung5,9 %
Ø Quote inkl. Nullquoten10,8 %
Verteilungen14.843

Unternehmen

88 %

der Verteilungen zahlen etwas aus

Medianquote bei Ausschüttung14,4 %
Ø Quote inkl. Nullquoten23,5 %
Verteilungen5.755

Überblick

Wer bekommt wie viel?

Eine Insolvenzquote gibt es nur, wenn Geld zu verteilen ist. Deshalb zählen zwei Fragen: Wird in einem Verfahren überhaupt ausgeschüttet – und wie viel, wenn ja? Rechnet man die Nullquoten mit ein, erhält ein Gläubiger im Schnitt 6,1 Cent je Euro bei Privatpersonen, 10,8 Cent bei Kleingewerbe & Selbstständigen und 23,5 Cent bei Unternehmen.

Kennzahlen je Schuldnergruppe

Zeitraum Q4 2025 – Q3 2026

SchuldnergruppeVerteilungenmit AusschüttungMedian bei AusschüttungØ Quote inkl. 0 %
Privatpersonen67.97941 %4,9 %6,1 %
Kleingewerbe & Selbstständige14.84359 %5,9 %10,8 %
Unternehmen5.75588 %14,4 %23,5 %

Wie viel kommt an?

Verteilungen nach Höhe der Quote · Zeitraum Q4 2025 – Q3 2026

59 % der Verbraucherinsolvenzen enden mit einer Quote von null, bei Unternehmen 12 %. Die volle Forderung erhalten Gläubiger in 7 % der Unternehmensverfahren.

Privatpersonen
59 %
21 %
Kleingewerbe & Selbstständige
41 %
28 %
9 %
10 %
Unternehmen
12 %
24 %
12 %
20 %
15 %
9 %
7 %
Quote je Verteilung:0 %bis 5 %5–10 %10–25 %25–50 %50–99 %100 %

Entwicklung

Stabile Ausschüttung, sinkende Quoten

Der Anteil der Verfahren mit Ausschüttung ist seit Q2 2024 kaum verändert. Die Höhe dagegen schon: Die Medianquote bei Privatinsolvenzen ist von 6,8 % auf 4,6 % gesunken.

Zeitraum Q2 2024 – Q3 2026, je Quartal

Anteil der Verteilungen mit Ausschüttung

je Quartal

0 %20 %40 %60 %80 %100 %Q2 24Q3 24Q4 24Q1 25Q2 25Q3 25Q4 25Q1 26Q2 26Q3 2688 %59 %41 %

Medianquote, wenn ausgeschüttet wird

je Quartal

0 %5 %10 %15 %20 %Q2 24Q3 24Q4 24Q1 25Q2 25Q3 25Q4 25Q1 26Q2 26Q3 2615,6 %5,7 %4,6 %
UnternehmenKleingewerbe & SelbstständigePrivatpersonen

Verfahrensdauer

Ältere Verfahren zahlen mehr

Der Jahrgang im Aktenzeichen zeigt, wann der Insolvenzantrag gestellt wurde. Von den Privatinsolvenzen aus 2025, die bereits verteilt werden, zahlen 32 % etwas aus; bei Verfahren aus 2021 sind es 86 %. Während ein Verbraucherinsolvenzverfahren läuft, fließt das pfändbare Einkommen in die Masse – früh verteilt werden vor allem Verfahren ohne pfändbares Einkommen. Bei Unternehmen hängt die Quote kaum an der Laufzeit.

Ø Quote nach Verfahrensjahrgang

inklusive Nullquoten · Zeitraum Q4 2025 – Q3 2026

0 %5 %10 %15 %20 %25 %30 %35 %40 %≤18192021222324252624,4 %5,0 %2,0 %
UnternehmenKleingewerbe & SelbstständigePrivatpersonen
Ø Quote inkl. Nullquoten · Jahrgänge ab 30 Verteilungen

Nach Jahrgang im Detail

Zeitraum Q4 2025 – Q3 2026

PrivatpersonenUnternehmen
JahrgangVerteilungenmit AusschüttungØ Quote inkl. 0 %Verteilungenmit AusschüttungØ Quote inkl. 0 %
bis 201813793 %34,4 %1.64391 %23,8 %
201915583 %24,4 %54091 %26,4 %
202015581 %25,2 %56590 %24,6 %
202148586 %22,0 %53784 %20,2 %
20221.79275 %17,9 %73287 %23,2 %
20235.11366 %14,3 %86987 %23,9 %
202420.33446 %7,0 %68585 %22,1 %
202537.84132 %3,7 %18383 %24,4 %
20261.96721 %2,0 %1––

Unternehmen

Insolvenzquote nach Branche

Medianquote der Unternehmensverteilungen mit Ausschüttung, Branchen ab 30 Verteilungen. Spitzenreiter ist Medizintechnik, Diagnostik & Optik mit 25,3 %, am wenigsten erhalten Gläubiger im Bereich Finanz- & Versicherungsdienstleistungen (10,5 %). Nach Rechtsform: Bei der UG (haftungsbeschränkt) endet jede 6. Verteilung ohne Ausschüttung, bei der GmbH jede 9.

Alle Kennzahlen nach Branche

Zeitraum Q4 2025 – Q3 2026

BrancheVerteilungenmit AusschüttungMedian bei AusschüttungØ Quote inkl. 0 %
Medizintechnik, Diagnostik & Optik6785 %25,3 %25,9 %
Pharma, Chemie & Kunststoffe7895 %20,1 %33,8 %
Architektur, Planung & Forschung5888 %18,3 %26,5 %
Gesundheits- & Sozialwesen15688 %18,1 %25,3 %
Industrie & Verarbeitendes Gewerbe44491 %18,0 %26,8 %
Sonstige Dienstleistungen46789 %15,7 %24,0 %
Einzelhandel & E-Commerce47787 %15,6 %24,0 %
Immobilienwesen & Gebäudemanagement38086 %15,5 %26,2 %
Unternehmensberatung, Recht & Steuern17388 %15,3 %24,6 %
Großhandel24490 %14,9 %23,8 %
IT, Software & Kommunikation26189 %14,5 %26,2 %
Automotive16690 %14,4 %23,6 %
Baugewerbe & Handwerk91087 %14,4 %21,8 %
Energie, Wasser & Entsorgung13691 %13,4 %23,8 %
Gastronomie & Hotellerie36487 %12,8 %20,3 %
Agrar, Tiere & Forstwirtschaft7588 %11,9 %20,3 %
Transport, Logistik & Lagerei40989 %11,7 %21,1 %
Finanz- & Versicherungsdienstleistungen24787 %10,5 %23,8 %

Nach Rechtsform

Zeitraum Q4 2025 – Q3 2026

RechtsformVerteilungenmit AusschüttungØ Quote inkl. 0 %
GmbH4.10189 %24,0 %
UG (haftungsbeschränkt)61582 %22,1 %
GmbH & Co. KG49590 %25,2 %
AG6294 %23,8 %

Privatinsolvenzen

Quote nach Amtsgericht

Wo der Schuldner wohnt, entscheidet mit darüber, ob Gläubiger etwas bekommen: Am AG Gießen zahlen 83 % der Privatinsolvenzen aus, am AG Saarbrücken nur 14 % (bundesweit 41 %). Die Unterschiede spiegeln Einkommen und Beschäftigung, aber auch die Veröffentlichungspraxis der Gerichte.

153 Amtsgerichte

Verbraucherinsolvenzen, Gerichte ab 100 Verteilungen · Zeitraum Q4 2025 – Q3 2026 · Strich = bundesweiter Wert

AG Gießen
83 %
15,8 %
AG Lübeck
74 %
11,2 %
AG Baden-Baden
73 %
9,2 %
AG Itzehoe
71 %
8,1 %
AG Würzburg
71 %
11,9 %
AG Coburg
71 %
10,1 %
AG Wetzlar
69 %
11,7 %
AG Straubing
67 %
8,2 %
AG Regensburg
65 %
9,6 %
AG Aschaffenburg
64 %
11,8 %
AG Friedberg (Hessen)
63 %
12,1 %
AG Bückeburg
63 %
9,8 %
AG Schweinfurt
63 %
8,8 %
AG Uelzen
62 %
11,4 %
AG Krefeld
62 %
6,1 %

Privatinsolvenzen

Quote nach PLZ-Region und Bundesland

Die ersten zwei Ziffern der Postleitzahl fassen die Wohnorte zu Regionen zusammen. Spitzenreiter ist die Region 35 (u. a. AG Gießen) mit 70 % Verteilungen mit Ausschüttung, Schlusslicht die Region 66 (u. a. AG Saarbrücken) mit 17 %.

Nach PLZ-Region

Verbraucherinsolvenzen, Regionen ab 100 Verteilungen · Zeitraum Q4 2025 – Q3 2026 · Strich = bundesweiter Wert

35xxxu. a. AG Gießen
70 %
11,4 %
61xxxu. a. AG Friedberg (Hessen)
64 %
9,9 %
36xxxu. a. AG Bad Hersfeld
62 %
13,2 %
23xxxu. a. AG Lübeck
61 %
9,0 %
93xxxu. a. AG Regensburg
59 %
8,4 %
16xxxu. a. AG Neuruppin
59 %
10,4 %
97xxxu. a. AG Würzburg
57 %
8,2 %
77xxxu. a. AG Offenburg
57 %
14,4 %
53xxxu. a. AG Bonn
56 %
10,2 %
20xxxu. a. AG Hamburg
54 %
10,2 %
31xxxu. a. AG Gifhorn
54 %
8,0 %
96xxxu. a. AG Coburg
54 %
7,1 %
26xxxu. a. AG Oldenburg (Oldenburg)
54 %
7,1 %
22xxxu. a. AG Hamburg
54 %
10,2 %
34xxxu. a. AG Kassel
54 %
9,6 %

Nach Bundesland

Zeitraum Q4 2025 – Q3 2026

PrivatpersonenUnternehmen
Bundeslandmit AusschüttungØ Quote inkl. 0 %mit AusschüttungMedian bei Ausschüttung
Baden-Württemberg35 %4,7 %89 %14,1 %
Bayern41 %5,1 %90 %14,6 %
Berlin47 %7,2 %95 %22,4 %
Brandenburg49 %8,9 %93 %16,8 %
Bremen50 %8,7 %95 %8,8 %
Hamburg52 %10,1 %94 %15,6 %
Hessen53 %8,5 %93 %16,6 %
Mecklenburg-Vorpommern27 %3,7 %92 %13,3 %
Niedersachsen52 %8,1 %96 %18,5 %
Nordrhein-Westfalen32 %4,3 %78 %10,6 %
Rheinland-Pfalz40 %5,7 %90 %12,2 %
Saarland14 %2,0 %82 %5,9 %
Sachsen-Anhalt45 %8,8 %87 %16,1 %
Schleswig-Holstein52 %8,2 %96 %19,5 %
Thüringen23 %3,0 %82 %9,5 %

Privatinsolvenzen

Schuldenhöhe, Alter und Geschlecht

Kleine Schulden bedeuten keine hohe Quote: Bei Forderungen unter 10.000 € zahlen nur 27 % der Verfahren aus, bei über 100.000 € 59 %. Insolvente Männer haben im Median deutlich höhere Schulden als Frauen, ihre Verfahren schütten häufiger aus (44 % gegenüber 35 %).

Nach Höhe der Forderungen

Verbraucherinsolvenzen · Zeitraum Q4 2025 – Q3 2026

ForderungenVerteilungenmit AusschüttungØ Quote inkl. 0 %
unter 10.000 €19.66327 %9,6 %
10.000–30.000 €20.34037 %5,3 %
30.000–100.000 €23.63051 %4,3 %
über 100.000 €4.34659 %3,4 %

Nach Alter und Geschlecht

Verbraucherinsolvenzen, Alter bei Veröffentlichung des Verteilungsverzeichnisses · Zeitraum Q4 2025 – Q3 2026

GruppeVerteilungenmit AusschüttungØ Quote inkl. 0 %
unter 307.74633 %6,2 %
30–3918.24939 %5,6 %
40–4915.83140 %5,6 %
50–5911.52643 %6,6 %
60–697.21541 %6,8 %
70 und älter2.46341 %6,4 %
Männer38.44944 %6,4 %
Frauen28.02235 %5,6 %

Fragen

Häufige Fragen zur Insolvenzquote

Wie hoch ist die Insolvenzquote in Deutschland?

Das hängt vom Schuldner ab. Bei Unternehmen wird in 88 % der Verteilungen etwas ausgeschüttet, im Median 14,4 Cent je Euro Forderung. Bei Privatinsolvenzen zahlen nur 41 % der Verfahren überhaupt etwas aus, und wenn, dann im Median 4,9 Cent. Über alle Verfahren einschließlich der Nullquoten erhalten Gläubiger im Schnitt 23,5 Cent (Unternehmen) bzw. 6,1 Cent (Privatpersonen) je Euro.

Was ist ein Verteilungsverzeichnis?

Bevor der Insolvenzverwalter Geld an die Gläubiger auszahlt, legt er ein Verzeichnis der zu berücksichtigenden Forderungen beim Insolvenzgericht nieder und macht die Summe der Forderungen und den verfügbaren Betrag öffentlich bekannt (§ 188 InsO). Aus beiden Zahlen ergibt sich die Quote. Es gibt Abschlagsverteilungen während des Verfahrens und die Schlussverteilung am Ende.

Wann bekommen Gläubiger ihr Geld?

Erst mit einer Abschlags- oder der Schlussverteilung. Bei Privatpersonen liegen zwischen Antrag und Verteilung typischerweise rund 1,2 Jahre, bei Unternehmen rund 5,2 Jahre. Große Unternehmensverfahren laufen oft über ein Jahrzehnt und verteilen in mehreren Abschlägen.

Warum bekommen Gläubiger bei Privatinsolvenzen so oft nichts?

In vielen Verbraucherinsolvenzen gibt es weder Vermögen noch pfändbares Einkommen. Die Masse reicht dann gerade für die Verfahrenskosten, die bei Privatpersonen häufig gestundet werden. Je länger ein Verfahren mit pfändbarem Einkommen läuft, desto mehr kommt zusammen – ältere Verfahren zahlen deshalb deutlich höhere Quoten.

Methodik

So rechnen wir

Datenbasis
Alle Verteilungsverzeichnisse (§ 188 InsO), die im Zeitraum Q4 2025 – Q3 2026 auf insolvenzbekanntmachungen.de veröffentlicht wurden (97.057 Bekanntmachungen). Massebestand und Forderungssumme werden maschinell aus den Bekanntmachungstexten gelesen. Mehrfach oder korrigiert veröffentlichte Verzeichnisse (gleiches Aktenzeichen, Gericht und Massebestand) zählen einmal, in der jüngsten Fassung.
Schuldnergruppen
Unternehmen: Schuldner mit Handelsregistereintrag. Privatpersonen: Verbraucherinsolvenzen (Registerzeichen IK). Kleingewerbe & Selbstständige: übrige Verfahren ohne Registereintrag, darunter Nachlassinsolvenzen.
Kennzahlen
Mit Ausschüttung: Anteil der Verteilungen mit bezifferten Forderungen, deren Massebestand größer null ist. Median bei Ausschüttung: mittlere Quote dieser Verteilungen. Ø Quote inkl. 0 %: Durchschnitt aller Einzelquoten einschließlich der Nullquoten – der Betrag, den ein Gläubiger im Schnitt je Euro Forderung erwarten kann. Aggregierte Quote: Summe Massebestand durch Summe Forderungen; sie wird von wenigen Großverfahren bestimmt. Einzelquoten sind auf 100 % begrenzt.
Weitere Merkmale
Verfahrensjahrgang: Jahreszahl im Aktenzeichen, in der Regel das Jahr des Insolvenzantrags. Branche: aus der Eröffnungsbekanntmachung bzw. dem Handelsregister. Postleitzahl, Alter und Geschlecht: aus dem Bekanntmachungstext. Gerichte und Regionen ab 100 Verteilungen an Privatpersonen.
Einschränkungen
Der Massebestand ist der Betrag vor Abzug von Gerichtskosten und Verwaltervergütung; bei den Gläubigern kommt etwas weniger an. Verfahren, die mangels Masse eingestellt werden, veröffentlichen kein Verteilungsverzeichnis und sind nicht enthalten. Ob ein Gericht auch in Verfahren ohne verteilbare Masse ein Verzeichnis veröffentlicht, ist unterschiedlich – Gerichtsvergleiche zeigen deshalb auch Unterschiede in der Praxis.

Quartalsanalyse

Was im Q3 2026 auffiel – Großverfahren, Abschlagsverteilungen und die Entwicklung der Quoten.

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