Kerndaten: Q2 2024 bis Q4 2025
Die Auswertung umfasst Bekanntmachungen, die zwischen April 2024 und Dezember 2026 auf insolvenzbekanntmachungen.de veröffentlicht wurden:
- Bekanntmachungen gesamt: ca. 160.000
- davon Privatinsolvenzen (Schuldner ohne HR-Eintrag): 140.000 (93,3 %)
- davon Unternehmensinsolvenzen (Schuldner mit HR-Eintrag): 10.000 (6,7 %)
- davon Abschlagsverteilungen: 297 (0,2 %)
- davon Nachtragsverteilungen: 2.279 (1,4 %)
- Massebestand gesamt: 3,34 Mrd. EUR
- Forderungen gesamt: 34,13 Mrd. EUR
- Aggregierte Quote gesamt: 9,7 %
- Aggregierte Quote Privatinsolvenzen: 5,3 %
- Aggregierte Quote Unternehmensinsolvenzen: 12,6 %
- Ø Verfahrensdauer Privatinsolvenz: ~1,6 Jahre
- Ø Verfahrensdauer Unternehmensinsolvenz: ~6,1 Jahre
Quartalsweise Entwicklung
Unternehmensinsolvenzen: starke Schwankungen durch Großfälle
Die aggregierten Quoten bei Unternehmensinsolvenzen (Schuldner mit HR-Eintrag) schwanken erheblich von Quartal zu Quartal:
| Quartal | Fälle | Massebestand | Forderungen | Agg. Quote |
|---|---|---|---|---|
| Q2 2024 | 1.347 | 406 Mio. EUR | 5,12 Mrd. EUR | 7,9 % |
| Q3 2024 | 1.515 | 267 Mio. EUR | 4,32 Mrd. EUR | 6,2 % |
| Q4 2024 | 1.372 | 496 Mio. EUR | 1,96 Mrd. EUR | 25,3 % |
| Q1 2025 | 1.574 | 452 Mio. EUR | 2,41 Mrd. EUR | 18,7 % |
| Q2 2025 | 1.573 | 461 Mio. EUR | 2,70 Mrd. EUR | 17,1 % |
| Q3 2025 | 1.471 | 387 Mio. EUR | 2,37 Mrd. EUR | 16,3 % |
| Q4 2025 | 1.106 | 170 Mio. EUR | 2,02 Mrd. EUR | 8,4 % |
Der Sprung im Q4 2024 auf 25,3 % erklärt sich nicht durch eine breitere Verbesserung für Gläubiger, sondern durch einzelne Großfälle mit sehr hohem Massebestand. Im Q4 2025 fällt die Quote wieder auf 8,4 % zurück – ein Niveau wie Mitte 2024.

Privatinsolvenzen: stabile Quoten, ein Ausreißer in Q2 2024
Bei Privatinsolvenzen (Schuldner ohne HR-Eintrag) zeigt sich ein stabiles Bild:
| Quartal | Fälle | Massebestand | Forderungen | Agg. Quote |
|---|---|---|---|---|
| Q2 2024 | 19.022 | 134 Mio. EUR | 4,69 Mrd. EUR | 2,9 % |
| Q3 2024 | 20.385 | 90 Mio. EUR | 1,41 Mrd. EUR | 6,4 % |
| Q4 2024 | 19.976 | 89 Mio. EUR | 1,35 Mrd. EUR | 6,6 % |
| Q1 2025 | 22.563 | 95 Mio. EUR | 1,51 Mrd. EUR | 6,3 % |
| Q2 2025 | 21.260 | 98 Mio. EUR | 1,61 Mrd. EUR | 6,1 % |
| Q3 2025 | 21.150 | 94 Mio. EUR | 1,63 Mrd. EUR | 5,8 % |
| Q4 2025 | 16.344 | 96 Mio. EUR | 1,04 Mrd. EUR | 9,3 % |
Der niedrige Wert von 2,9 % im Q2 2024 geht auf eine ungewöhnlich hohe Forderungssumme von 4,69 Mrd. EUR zurück – rund dreimal so viel wie in den Folgeperioden. Ursache sind wenige Verfahren mit sehr hohen persönlichen Forderungsbeträgen. Wir klassifizieren Schuldner ohne HR-Eintrag als "Privatinsolvenzen", auch wenn ein Regelinsolvenzverfahren eröffnet wurde, und wirtschaftlich vermutlich eher eine Unternehmensinsolvenz vorliegt. Ab Q3 2024 stabilisiert sich die Quote im Bereich von 6%.
Regionale Unterschiede: Bundesländer
Die Gläubigerquoten variieren erheblich nach Bundesland:
| Bundesland | Fälle | Massebestand | Forderungen | Agg. Quote |
|---|---|---|---|---|
| Hamburg | 6.036 | 490 Mio. EUR | 2,08 Mrd. EUR | 23,5 % |
| Brandenburg | 5.073 | 41 Mio. EUR | 214 Mio. EUR | 19,2 % |
| Mecklenburg-Vorpommern | 4.390 | 68 Mio. EUR | 388 Mio. EUR | 17,4 % |
| Niedersachsen | 24.165 | 343 Mio. EUR | 3,13 Mrd. EUR | 10,9 % |
| Hessen | 13.554 | 250 Mio. EUR | 2,34 Mrd. EUR | 10,7 % |
| Berlin | 9.608 | 177 Mio. EUR | 1,73 Mrd. EUR | 10,2 % |
| Bremen | 2.305 | 146 Mio. EUR | 1,50 Mrd. EUR | 9,8 % |
| Nordrhein-Westfalen | 50.996 | 705 Mio. EUR | 7,49 Mrd. EUR | 9,4 % |
| Bayern | 19.538 | 652 Mio. EUR | 6,96 Mrd. EUR | 9,4 % |
| Baden-Württemberg | 18.401 | 510 Mio. EUR | 5,71 Mrd. EUR | 8,9 % |
| Schleswig-Holstein | 8.517 | 148 Mio. EUR | 1,99 Mrd. EUR | 7,4 % |
| Rheinland-Pfalz | 8.041 | 71 Mio. EUR | 1,23 Mrd. EUR | 5,8 % |
| Sachsen-Anhalt | 2.542 | 18 Mio. EUR | 379 Mio. EUR | 4,7 % |
| Saarland | 2.968 | 22 Mio. EUR | 609 Mio. EUR | 3,5 % |
| Thüringen | 4.218 | 71 Mio. EUR | 4,20 Mrd. EUR | 1,7 % |

Hamburg liegt mit 23,5 % weit über dem Bundesdurchschnitt von 9,3 %. Ursache ist die Konzentration großer Unternehmensinsolvenzen am Hamburger Amtsgericht – wenige Fälle mit sehr hoher Masse treiben die aggregierte Quote nach oben. Thüringen hingegen weist trotz sehr hoher Forderungssumme (4,20 Mrd. EUR) nur 71 Mio. EUR Massebestand aus – eine Quote von 1,7 %, die auf strukturell masselose Verfahren hindeutet.
Aggregierte Quote vs. Median
Aggregierte Quote und Medianquote weichen erheblich voneinander ab. Die aggregierte Quote – Summe aller Massen dividiert durch Summe aller Forderungen – wird von wenigen Großverfahren dominiert.
Bei Unternehmensinsolvenzen lag die aggregierte Quote je nach Quartal zwischen 6 % und 25 %. Der Medianwert – die Quote des mittleren Verfahrens – lag in jedem Quartal unter 3,5 %. Das bedeutet: Mehr als die Hälfte aller Unternehmensinsolvenzen verteilt weniger als 3,5 % an Gläubiger. Für den typischen Gläubiger ist der Median die relevantere Kennzahl – und der liegt konstant nahe 2–3 %.
Verfahrensdauer
- Privatinsolvenzen: Ø ~1,6 Jahre – stabil über alle Quartale (1,55–1,64 Jahre); geprägt durch das seit 2021 auf 3 Jahre verkürzte Restschuldbefreiungsverfahren
- Unternehmensinsolvenzen: Ø ~6,1 Jahre – wenig Variation (6,0–6,3 Jahre je Quartal)
Methodik und Definitionen
Die Auswertung basiert auf Bekanntmachungen der Kategorie „Verteilungsverzeichnisse (§ 188 InsO) d. Verw./Treuh.“ auf insolvenzbekanntmachungen.de mit Veröffentlichungsdatum zwischen April 2024 und Dezember 2025.
Klassifikation: Schuldner mit Handelsregistereintrag im Bekanntmachungstext werden als „Unternehmensinsolvenz“ klassifiziert (GmbHs, UGs, AGs, KGs, OHGs, eingetragene Einzelunternehmen). Alle übrigen Verfahren gelten als „Privatinsolvenz“ – darunter neben echten Verbraucherinsolvenzen (IK-Verfahren) auch Regelinsolvenzverfahren von Privatpersonen ohne HR-Eintrag (häufig ehemalige Selbstständige oder Freiberufler). Diese Gruppe kann hohe Forderungsbeträge aufweisen und ist für den Q2-2024-Ausreißer bei den Privatinsolvenzen mitverantwortlich.
Regelverteilungen, Abschlags- und Nachtragsverteilungen: Abschlagsverteilungen (§ 187 InsO) und Nachtragsverteilungen (§ 203 InsO) wurden einfach aufaddiert – der jeweils genannte Massebestand und die Forderungen ohne gegenseitige Anrechnung summiert. Dadurch kann es zu Verfälschungen kommen, wenn für dasselbe Verfahren mehrere Bekanntmachungen mit unterschiedlichen Massebesänden vorliegen.
Duplikate: Manche Einträge erscheinen mehrfach im Datensatz, etwa weil eine Bekanntmachung nachträglich korrigiert und erneut veröffentlicht wurde. Duplikate wurden nach Möglichkeit anhand von Aktenzeichen und Gericht herausgefiltert. Einzelne Doppelzählungen können trotzdem verbleiben.
Aggregierte Quote: Summe Massebestand / Summe Forderungen im Segment. Wird von Großfällen dominiert.
Verfahrensdauer: Berechnet als Differenz zwischen Bekanntmachungsdatum und geschätztem Eröffnungsdatum (01.07. des Aktenzeichenjahres). Unschärfe ±6 Monate.
Einschränkungen: Nicht jedes eröffnete Verfahren endet mit einem Verteilungsverzeichnis. Masselose Verfahren erscheinen nicht im Datensatz – die tatsächliche Gläubigerquote über alle Verfahren liegt daher noch deutlich unter den hier ausgewiesenen Werten.