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Gläubiger erhalten im Schnitt 9,7 Cent pro Euro: Analyse von ~177.000 Verteilungsverzeichnissen (Q2 2024 – Q1 2026)

Insolvenzmonitor hat rund 177.000 auf insolvenzbekanntmachungen.de veröffentlichte Verteilungsverzeichnisse nach § 188 InsO ausgewertet: Gläubiger erhalten im Durchschnitt eine Quote von 9,7\xa0% ihrer angemeldeten Forderungen. Bei Privatinsolvenzen (Schuldner ohne Handelsregistereintrag) liegt die Quote bei etwa 5–7\xa0%, bei Unternehmensinsolvenzen (Schuldner mit HR-Eintrag) um die 12\xa0%. Im Quartalsverlauf sind die Quoten der Privatinsolvenzen relativ stabil, während die Quoten bei Unternehmensinsolvenzen durch einzelne große quotenstarke Verfahren stärker schwanken.

3. April 2026·ca. 7 Min. Lesezeit

Kerndaten: Q2 2024 bis Q4 2025

Die Auswertung umfasst Bekanntmachungen, die zwischen April 2024 und Dezember 2026 auf insolvenzbekanntmachungen.de veröffentlicht wurden:

  • Bekanntmachungen gesamt: ca. 160.000
  • davon Privatinsolvenzen (Schuldner ohne HR-Eintrag): 140.000 (93,3 %)
  • davon Unternehmensinsolvenzen (Schuldner mit HR-Eintrag): 10.000 (6,7 %)
  • davon Abschlagsverteilungen: 297 (0,2 %)
  • davon Nachtragsverteilungen: 2.279 (1,4 %)
  • Massebestand gesamt: 3,34 Mrd. EUR
  • Forderungen gesamt: 34,13 Mrd. EUR
  • Aggregierte Quote gesamt: 9,7 %
  • Aggregierte Quote Privatinsolvenzen: 5,3 %
  • Aggregierte Quote Unternehmensinsolvenzen: 12,6 %
  • Ø Verfahrensdauer Privatinsolvenz: ~1,6 Jahre
  • Ø Verfahrensdauer Unternehmensinsolvenz: ~6,1 Jahre

Quartalsweise Entwicklung

Unternehmensinsolvenzen: starke Schwankungen durch Großfälle

Die aggregierten Quoten bei Unternehmensinsolvenzen (Schuldner mit HR-Eintrag) schwanken erheblich von Quartal zu Quartal:

QuartalFälleMassebestandForderungenAgg. Quote
Q2 20241.347406 Mio. EUR5,12 Mrd. EUR7,9 %
Q3 20241.515267 Mio. EUR4,32 Mrd. EUR6,2 %
Q4 20241.372496 Mio. EUR1,96 Mrd. EUR25,3 %
Q1 20251.574452 Mio. EUR2,41 Mrd. EUR18,7 %
Q2 20251.573461 Mio. EUR2,70 Mrd. EUR17,1 %
Q3 20251.471387 Mio. EUR2,37 Mrd. EUR16,3 %
Q4 20251.106170 Mio. EUR2,02 Mrd. EUR8,4 %

Der Sprung im Q4 2024 auf 25,3 % erklärt sich nicht durch eine breitere Verbesserung für Gläubiger, sondern durch einzelne Großfälle mit sehr hohem Massebestand. Im Q4 2025 fällt die Quote wieder auf 8,4 % zurück – ein Niveau wie Mitte 2024.

Abb. 1: Aggregierte Gläubigerquote nach Quartal – Privat vs. Gewerblich
Abb. 1: Aggregierte Gläubigerquote nach Quartal – Privat vs. Gewerblich

Privatinsolvenzen: stabile Quoten, ein Ausreißer in Q2 2024

Bei Privatinsolvenzen (Schuldner ohne HR-Eintrag) zeigt sich ein stabiles Bild:

QuartalFälleMassebestandForderungenAgg. Quote
Q2 202419.022134 Mio. EUR4,69 Mrd. EUR2,9 %
Q3 202420.38590 Mio. EUR1,41 Mrd. EUR6,4 %
Q4 202419.97689 Mio. EUR1,35 Mrd. EUR6,6 %
Q1 202522.56395 Mio. EUR1,51 Mrd. EUR6,3 %
Q2 202521.26098 Mio. EUR1,61 Mrd. EUR6,1 %
Q3 202521.15094 Mio. EUR1,63 Mrd. EUR5,8 %
Q4 202516.34496 Mio. EUR1,04 Mrd. EUR9,3 %

Der niedrige Wert von 2,9 % im Q2 2024 geht auf eine ungewöhnlich hohe Forderungssumme von 4,69 Mrd. EUR zurück – rund dreimal so viel wie in den Folgeperioden. Ursache sind wenige Verfahren mit sehr hohen persönlichen Forderungsbeträgen. Wir klassifizieren Schuldner ohne HR-Eintrag als "Privatinsolvenzen", auch wenn ein Regelinsolvenzverfahren eröffnet wurde, und wirtschaftlich vermutlich eher eine Unternehmensinsolvenz vorliegt. Ab Q3 2024 stabilisiert sich die Quote im Bereich von 6%.

Regionale Unterschiede: Bundesländer

Die Gläubigerquoten variieren erheblich nach Bundesland:

BundeslandFälleMassebestandForderungenAgg. Quote
Hamburg6.036490 Mio. EUR2,08 Mrd. EUR23,5 %
Brandenburg5.07341 Mio. EUR214 Mio. EUR19,2 %
Mecklenburg-Vorpommern4.39068 Mio. EUR388 Mio. EUR17,4 %
Niedersachsen24.165343 Mio. EUR3,13 Mrd. EUR10,9 %
Hessen13.554250 Mio. EUR2,34 Mrd. EUR10,7 %
Berlin9.608177 Mio. EUR1,73 Mrd. EUR10,2 %
Bremen2.305146 Mio. EUR1,50 Mrd. EUR9,8 %
Nordrhein-Westfalen50.996705 Mio. EUR7,49 Mrd. EUR9,4 %
Bayern19.538652 Mio. EUR6,96 Mrd. EUR9,4 %
Baden-Württemberg18.401510 Mio. EUR5,71 Mrd. EUR8,9 %
Schleswig-Holstein8.517148 Mio. EUR1,99 Mrd. EUR7,4 %
Rheinland-Pfalz8.04171 Mio. EUR1,23 Mrd. EUR5,8 %
Sachsen-Anhalt2.54218 Mio. EUR379 Mio. EUR4,7 %
Saarland2.96822 Mio. EUR609 Mio. EUR3,5 %
Thüringen4.21871 Mio. EUR4,20 Mrd. EUR1,7 %

Abb. 2: Aggregierte Gläubigerquote nach Bundesland
Abb. 2: Aggregierte Gläubigerquote nach Bundesland

Hamburg liegt mit 23,5 % weit über dem Bundesdurchschnitt von 9,3 %. Ursache ist die Konzentration großer Unternehmensinsolvenzen am Hamburger Amtsgericht – wenige Fälle mit sehr hoher Masse treiben die aggregierte Quote nach oben. Thüringen hingegen weist trotz sehr hoher Forderungssumme (4,20 Mrd. EUR) nur 71 Mio. EUR Massebestand aus – eine Quote von 1,7 %, die auf strukturell masselose Verfahren hindeutet.

Aggregierte Quote vs. Median

Aggregierte Quote und Medianquote weichen erheblich voneinander ab. Die aggregierte Quote – Summe aller Massen dividiert durch Summe aller Forderungen – wird von wenigen Großverfahren dominiert.

Bei Unternehmensinsolvenzen lag die aggregierte Quote je nach Quartal zwischen 6 % und 25 %. Der Medianwert – die Quote des mittleren Verfahrens – lag in jedem Quartal unter 3,5 %. Das bedeutet: Mehr als die Hälfte aller Unternehmensinsolvenzen verteilt weniger als 3,5 % an Gläubiger. Für den typischen Gläubiger ist der Median die relevantere Kennzahl – und der liegt konstant nahe 2–3 %.

Verfahrensdauer

  • Privatinsolvenzen: Ø ~1,6 Jahre – stabil über alle Quartale (1,55–1,64 Jahre); geprägt durch das seit 2021 auf 3 Jahre verkürzte Restschuldbefreiungsverfahren
  • Unternehmensinsolvenzen: Ø ~6,1 Jahre – wenig Variation (6,0–6,3 Jahre je Quartal)

Methodik und Definitionen

Die Auswertung basiert auf Bekanntmachungen der Kategorie „Verteilungsverzeichnisse (§ 188 InsO) d. Verw./Treuh.“ auf insolvenzbekanntmachungen.de mit Veröffentlichungsdatum zwischen April 2024 und Dezember 2025.

Klassifikation: Schuldner mit Handelsregistereintrag im Bekanntmachungstext werden als „Unternehmensinsolvenz“ klassifiziert (GmbHs, UGs, AGs, KGs, OHGs, eingetragene Einzelunternehmen). Alle übrigen Verfahren gelten als „Privatinsolvenz“ – darunter neben echten Verbraucherinsolvenzen (IK-Verfahren) auch Regelinsolvenzverfahren von Privatpersonen ohne HR-Eintrag (häufig ehemalige Selbstständige oder Freiberufler). Diese Gruppe kann hohe Forderungsbeträge aufweisen und ist für den Q2-2024-Ausreißer bei den Privatinsolvenzen mitverantwortlich.

Regelverteilungen, Abschlags- und Nachtragsverteilungen: Abschlagsverteilungen (§ 187 InsO) und Nachtragsverteilungen (§ 203 InsO) wurden einfach aufaddiert – der jeweils genannte Massebestand und die Forderungen ohne gegenseitige Anrechnung summiert. Dadurch kann es zu Verfälschungen kommen, wenn für dasselbe Verfahren mehrere Bekanntmachungen mit unterschiedlichen Massebesänden vorliegen.

Duplikate: Manche Einträge erscheinen mehrfach im Datensatz, etwa weil eine Bekanntmachung nachträglich korrigiert und erneut veröffentlicht wurde. Duplikate wurden nach Möglichkeit anhand von Aktenzeichen und Gericht herausgefiltert. Einzelne Doppelzählungen können trotzdem verbleiben.

Aggregierte Quote: Summe Massebestand / Summe Forderungen im Segment. Wird von Großfällen dominiert.

Verfahrensdauer: Berechnet als Differenz zwischen Bekanntmachungsdatum und geschätztem Eröffnungsdatum (01.07. des Aktenzeichenjahres). Unschärfe ±6 Monate.

Einschränkungen: Nicht jedes eröffnete Verfahren endet mit einem Verteilungsverzeichnis. Masselose Verfahren erscheinen nicht im Datensatz – die tatsächliche Gläubigerquote über alle Verfahren liegt daher noch deutlich unter den hier ausgewiesenen Werten.

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