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Verteilungsverzeichnisse Q1 2026: Gläubigerquote 8,6 % – die Großinsolvenz KSK mit 1,13 Mrd. EUR Forderungen dominiert das Quartal

Im ersten Quartal 2026 wurden ca. 27.000 Bekanntmachungen über Verteilungen nach § 188 InsO veröffentlicht und analysiert. Die aggregierte Gläubigerquote liegt bei 8,6 % (Unternehmen: 8,5 %, Privatpersonen: 8,7 %). Ein einziger Fall – KSK guided microtunneling mit 1,13 Mrd. EUR Forderungen – prägt die Statistik für Baden-Württemberg und das gesamte Quartal.

12. April 2026·ca. 6 Min. Lesezeit

Kerndaten: Q1 2026

Von den 27.542 veröffentlichten Verteilungsverzeichnissen (Januar–März 2026) entfiel nur auf 10.390 eine Quote. Bei 62% der Verfahren gab es keine Quote:

  • Bekanntmachungen gesamt: 27.542
  • davon mit Insolvenzquote: 10.390 (37,7 %)
  • davon Privatinsolvenzen: 9.219
  • davon Unternehmensinsolvenzen: 1.171
  • Massebestand gesamt: 380,7 Mio. EUR
  • Forderungen gesamt: 4,44 Mrd. EUR
  • Aggregierte Quote gesamt: 8,6 %
  • Aggregierte Quote Privatinsolvenzen: 8,7 %
  • Aggregierte Quote Unternehmensinsolvenzen: 8,5 %
  • Ø Verfahrensdauer Privatinsolvenz: ~1,6 Jahre (Median)
  • Ø Verfahrensdauer Unternehmensinsolvenz: ~4,7 Jahre (Median)

Einordnung im Zeitverlauf

Unternehmensinsolvenzen: Quote normalisiert sich bei 8,5 %

QuartalFälleMassebestandForderungenAgg. Quote
Q2 20241.347406 Mio. EUR5,12 Mrd. EUR7,9 %
Q3 20241.515267 Mio. EUR4,32 Mrd. EUR6,2 %
Q4 20241.372496 Mio. EUR1,96 Mrd. EUR25,3 %
Q1 20251.574452 Mio. EUR2,41 Mrd. EUR18,7 %
Q2 20251.573461 Mio. EUR2,70 Mrd. EUR17,1 %
Q3 20251.471387 Mio. EUR2,37 Mrd. EUR16,3 %
Q4 20251.106170 Mio. EUR2,02 Mrd. EUR8,4 %
Q1 20261.717274 Mio. EUR3,21 Mrd. EUR8,5 %

†Q1 2026: 1.717 Bekanntmachungen insgesamt; Finanzdaten basieren auf den 1.171 Einträgen mit auswertbaren Angaben (68,2 %).

Nach dem erhöhten Quoten-Zyklus von Q4 2024 bis Q3 2025 (16–25 %) hat sich die aggregierte Quote in Q4 2025 und Q1 2026 bei rund 8 % stabilisiert – ein Niveau wie zuletzt in Q2/Q3 2024. Mit 1.717 Bekanntmachungen liegt Q1 2026 deutlich über dem historischen Quartalsdurchschnitt von ~1.423 (+21 %). Die Forderungssumme stieg auf 3,21 Mrd. EUR, da der KSK-Fall allein 1,13 Mrd. EUR beisteuert. Die Quote blieb dennoch niedrig, weil die Masse (274 Mio. EUR) nicht proportional gestiegen ist.

Privatinsolvenzen: Quote bleibt erhöht

QuartalFälle*MassebestandForderungenAgg. Quote
Q2 202419.022134 Mio. EUR4,69 Mrd. EUR2,9 %
Q3 202420.38590 Mio. EUR1,41 Mrd. EUR6,4 %
Q4 202419.97689 Mio. EUR1,35 Mrd. EUR6,6 %
Q1 202522.56395 Mio. EUR1,51 Mrd. EUR6,3 %
Q2 202521.26098 Mio. EUR1,61 Mrd. EUR6,1 %
Q3 202521.15094 Mio. EUR1,63 Mrd. EUR5,8 %
Q4 202516.34496 Mio. EUR1,04 Mrd. EUR9,3 %
Q1 202625.827107 Mio. EUR1,23 Mrd. EUR8,7 %

†Q1 2026: 25.827 Bekanntmachungen insgesamt; Finanzdaten basieren auf den 9.219 Einträgen mit auswertbaren Angaben (35,7 %).

Mit 25.827 Bekanntmachungen erreicht Q1 2026 einen neuen Rekord – rund 28 % über dem historischen Quartalsdurchschnitt von ~20.100. Die Quote liegt mit 8,7 % weiterhin über dem historischen Normalbereich von 5,8–6,6 % (Q3 2024–Q3 2025). Dass nur 35,7 % der Einträge auswertbare Finanzdaten enthalten (vs. nahezu vollständig in früheren Quartalen), deutet auf eine veränderte Datenerfassung hin – nicht auf einen Rückgang der tatsächlichen Verfahren.

Abb. 1: Aggregierte Gläubigerquote nach Quartal – Privat vs. Gewerblich (Q2 2024 – Q1 2026)
Abb. 1: Aggregierte Gläubigerquote nach Quartal – Privat vs. Gewerblich (Q2 2024 – Q1 2026)

Monatliche Entwicklung innerhalb Q1 2026

MonatVerfahren (valide)Quote UnternehmenQuote Privat
Januar 20263.09411,0 %10,5 %
Februar 20263.29310,3 %10,0 %
März 20264.0037,5 %7,3 %

Januar und Februar 2026 lagen noch bei 10–11 %. Im März drückte der KSK-Fall (1,13 Mrd. EUR Forderungen, 3,3 % Quote) die Unternehmensquote auf 7,5 % – ohne diesen Einzelfall läge die März-Quote bei geschätzten ~11 %. Beide Segmente (Privat und Unternehmen) zeigten in den ersten beiden Monaten des Jahres außergewöhnlich hohe Quoten im Bereich 10 %.

Prägende Einzelfälle

Wenige Großverfahren bestimmen das Bild von Q1 2026:

SchuldnerBundeslandForderungenMassebestandQuote
KSK guided microtunneling GmbH & Co. KGBaden-Württemberg1.132 Mio. EUR37,5 Mio. EUR3,3 %
KTG Agrar SEHamburg344 Mio. EUR0,9 Mio. EUR0,3 %
UN Congress Center Bonn GmbHNRW105 Mio. EUR1,3 Mio. EUR1,3 %
Refugium Holding AGNRW89 Mio. EUR2,6 Mio. EUR2,9 %
Pilatus SR Holding GmbHNRW70 Mio. EUR2,0 Mio. EUR2,9 %
TRISMO Verwaltungs GmbHBaden-Württemberg67 Mio. EUR0,2 Mio. EUR0,3 %
S&K Assets GmbHHessen34 Mio. EUR1,2 Mio. EUR3,4 %

KSK guided microtunneling (Spezialtiefbau, Verfahren seit ~2000) ist das dominierende Verfahren des Quartals: Allein 1,13 Mrd. EUR Forderungen – rund 35 % der gesamten Unternehmensforderungen im Quartal – bei nur 37,5 Mio. EUR Masse. Gläubiger erhalten nach ca. 26 Jahren Verfahrensdauer knapp 3,3 Cent pro Euro.

KTG Agrar SE (Agrarholdingkonzern, Insolvenz 2016) verteilt nach fast zehn Jahren Verfahren nur 0,3 % – nahezu Totalverlust bei 344 Mio. EUR Forderungen.

S&K Assets ist ein Nachfolger des betrügerischen S&K-Immobilienfonds-Komplexes (Insolvenz ca. 2013); auch hier erhalten Gläubiger nach über einem Jahrzehnt nur 3,4 %.

Stadtwerke Gera AG (Thüringen) erscheint nicht unter den Großfällen nach Forderungshöhe, ist aber regional bedeutend: Mit 18,4 Mio. EUR Masse und 12,2 Mio. EUR Forderungen liegt die Quote über 100 % – Gläubiger werden vollständig befriedigt, der Überschuss geht an den Schuldner zurück.

Regionale Unterschiede: Bundesländer Q1 2026

BundeslandFälleMassebestandForderungenAgg. Quote
Thüringen14320,7 Mio. EUR36,7 Mio. EUR56,5 %
Bremen2625,5 Mio. EUR27,0 Mio. EUR20,2 %
Mecklenburg-Vorpommern1934,4 Mio. EUR27,7 Mio. EUR15,9 %
Bayern1.19037,2 Mio. EUR257,5 Mio. EUR14,5 %
Berlin60710,4 Mio. EUR85,8 Mio. EUR12,1 %
Brandenburg1521,7 Mio. EUR14,0 Mio. EUR12,0 %
Schleswig-Holstein60411,7 Mio. EUR98,6 Mio. EUR11,9 %
Nordrhein-Westfalen2.42289,6 Mio. EUR856,3 Mio. EUR10,5 %
Niedersachsen1.94035,8 Mio. EUR367,0 Mio. EUR9,8 %
Rheinland-Pfalz2856,1 Mio. EUR89,9 Mio. EUR6,8 %
Saarland760,6 Mio. EUR9,0 Mio. EUR6,8 %
Hessen89232,6 Mio. EUR495,2 Mio. EUR6,6 %
Baden-Württemberg1.04296,1 Mio. EUR1.499,7 Mio. EUR6,4 %
Sachsen-Anhalt430,2 Mio. EUR3,1 Mio. EUR6,3 %
Hamburg53928,0 Mio. EUR572,5 Mio. EUR4,9 %

Gegenüber dem historischen Durchschnitt aus Blog #04 (Q2 2024–Q4 2025) zeigen sich starke Verschiebungen:

  • Thüringen springt von 1,7 % (historisch) auf 56,5 % – getrieben durch Stadtwerke Gera mit Vollbefriedigung und Masseüberschuss.
  • Hamburg fällt von 23,5 % auf 4,9 % – KTG Agrar (344 Mio. EUR, 0,3 %) drückt die Quote.
  • Baden-Württemberg sinkt von 8,9 % auf 6,4 % – KSK guided microtunneling dominiert mit 1.132 Mio. EUR Forderungen und nur 3,3 % Quote.

Diese Ausschläge zeigen einmal mehr: Regionale Aggregatquoten spiegeln in erster Linie die Struktur weniger Großverfahren wider, nicht die typische Gläubigererwartung.

Abb. 2: Aggregierte Gläubigerquote nach Bundesland – Q1 2026
Abb. 2: Aggregierte Gläubigerquote nach Bundesland – Q1 2026

Aggregierte Quote vs. Median

SegmentAgg. QuoteMedianp25p75
Privatinsolvenzen8,7 %5,7 %1,6 %18,0 %
Unternehmensinsolvenzen8,5 %14,3 %4,2 %37,8 %

Der Medianwert der Unternehmensinsolvenzen liegt mit 14,3 % auffällig hoch – historisch lag er stets unter 3,5 % (vgl. Blog #04). Dies ist auf einen Selektionsbias zurückzuführen: Die rund 550 Unternehmensfälle ohne auswertbare Finanzdaten sind tendenziell massearme Verfahren nahe 0 %. Ihr Ausschluss verschiebt den Median nach oben. Der reale Medianwert dürfte deutlich näher am historischen Wert liegen.

Bei Privatinsolvenzen liegt der Median mit 5,7 % im normalen historischen Bereich.

Methodik und Definitionen

Die Auswertung basiert auf allen Verteilungsverzeichnissen (§ 188 InsO) mit Veröffentlichungsdatum Januar–März 2026 auf insolvenzbekanntmachungen.de.

Datenverfügbarkeit: Von 27.542 Einträgen enthalten 10.390 (37,7 %) auswertbare Finanzdaten. Der Rest weist unvollständige oder nicht parsbare Betragsangaben auf. Dieser Anteil ist erheblich höher als in Vorquartalen und deutet auf veränderte Publikationsformate hin.

Klassifikation: Schuldner mit Handelsregistereintrag = Unternehmensinsolvenz; alle übrigen = Privatinsolvenz. Methodisch identisch mit Blog #04.

Aggregierte Quote: Summe Massebestand / Summe Forderungen im Segment. Wird von Großverfahren dominiert; für typische Gläubigererwartungen ist der Medianwert aussagekräftiger.

Verfahrensdauer: Differenz aus Bekanntmachungsdatum und geschätztem Eröffnungsdatum (01.07. des Aktenzeichenjahres). Unschärfe ±6 Monate.

Einschränkungen: Masselose Verfahren sind nicht enthalten. Die tatsächliche Gläubigerquote über alle Verfahren liegt deutlich unter den hier ausgewiesenen Werten.

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