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Quartalsanalyse

Verteilungsverzeichnisse Q3 2026: Nur 4 von 10 Privatinsolvenzen bringen Gläubigern Geld

26.050 Verteilungsverzeichnisse im Q3 2026: Bei Unternehmen schütten 88 % der Verfahren aus, im Median 15,6 Cent je Euro. Bei Privatpersonen geht die Mehrheit leer aus – und ältere Verfahren zahlen deutlich mehr als junge.

7. Oktober 2026 · Datenstand 7.10.2026Quoten nach Branche, Gericht & Region

Privatpersonen

41 %

der Verteilungen zahlen etwas aus

Medianquote bei Ausschüttung4,6 %
Aggregierte Quote5,7 %
Verteilungen18.222

Kleingewerbe & Selbstständige

59 %

der Verteilungen zahlen etwas aus

Medianquote bei Ausschüttung5,7 %
Aggregierte Quote3,3 %
Verteilungen4.089

Unternehmen

88 %

der Verteilungen zahlen etwas aus

Medianquote bei Ausschüttung15,6 %
Aggregierte Quote12,1 %
Verteilungen1.587

Auf einen Blick

  • 26.050 Verteilungsverzeichnisse im Q3 2026. In 11.327 Fällen wird Geld an die Gläubiger verteilt, in 12.571 Fällen steht die Masse bei null.
  • Privatpersonen: Nur 41 % der Verfahren zahlen überhaupt etwas aus, im Median 4,6 Cent je Euro, wenn ausgeschüttet wird.
  • Unternehmen: 88 % der Verteilungen bringen Geld, im Median 15,6 Cent je Euro. Insgesamt fließen 12,1 % der Forderungen zurück.
  • Je älter das Verfahren, desto höher die Quote: Privatinsolvenzen aus 2025 zahlen zu 36 % aus, solche aus 2021 zu 84 %.
  • Die Medianquote bei Privatpersonen liegt bei 4,6 %, im Q2 2024 waren es 6,8 %.

Zeitverlauf

Stabile Ausschüttung, sinkende Quoten

Wie viele Verfahren etwas ausschütten, ändert sich von Quartal zu Quartal kaum: bei Privatpersonen rund 4 von zehn, bei Kleingewerbe & Selbstständigen 6, bei Unternehmen 9 von zehn. Die Höhe der Quote bewegt sich dagegen: bei Privatpersonen von 6,8 % im Q2 2024 auf 4,6 % im Median.

Quote auf Verfahrensebene

Q2 2024 – Q3 2026

Anteil der Verteilungen mit Ausschüttung

je Quartal

0 %20 %40 %60 %80 %100 %Q2 24Q3 24Q4 24Q1 25Q2 25Q3 25Q4 25Q1 26Q2 26Q3 2688 %59 %41 %

Medianquote, wenn ausgeschüttet wird

je Quartal

0 %5 %10 %15 %20 %Q2 24Q3 24Q4 24Q1 25Q2 25Q3 25Q4 25Q1 26Q2 26Q3 2615,6 %5,7 %4,6 %
UnternehmenKleingewerbe & SelbstständigePrivatpersonen

Aggregierte Quote je Quartal

Summe Masse durch Summe Forderungen der Verteilungen mit Ausschüttung · Q2 2024 – Q3 2026

0 %5 %10 %15 %20 %25 %30 %Q2 24Q3 24Q4 24Q1 25Q2 25Q3 25Q4 25Q1 26Q2 26Q3 26
Privat (ohne Handelsregister)Unternehmen

Die aggregierte Quote reagiert stark auf Einzelfälle. Im Q3 2026 drückt ein Nachlassinsolvenzverfahren am Amtsgericht München die Privatquote auf 3,7 %: 4,2 Mio. € Masse für 2,01 Mrd. € Forderungen – 62 % aller Forderungen im Privatsegment. Ohne diesen Fall läge sie bei 9,3 %.

Verteilung

Wie viel kommt beim Gläubiger an?

59 % der Verbraucherinsolvenzen enden mit einer Quote von null, weitere 22 % zahlen weniger als 5 Cent je Euro. Bei Unternehmen ist das Bild breiter: 12 % Nullquoten, aber in 32 % der Fälle kommt mindestens ein Viertel der Forderung zurück.

Verteilungen nach Höhe der Quote · Q3 2026

Privatpersonen
59 %
22 %
Kleingewerbe & Selbstständige
41 %
28 %
9 %
10 %
Unternehmen
12 %
24 %
11 %
20 %
15 %
9 %
8 %
Quote je Verteilung:0 %bis 5 %5–10 %10–25 %25–50 %50–99 %100 %

Verfahrensjahrgang

Ältere Verfahren zahlen mehr

Der Jahrgang im Aktenzeichen verrät, wann der Antrag gestellt wurde. Privatinsolvenzen aus 2025, die schon jetzt verteilt werden, schütten zu 36 % aus, Verfahren aus 2021 zu 84 %. Wird ausgeschüttet, liegt die Medianquote bei 3,7 % bzw. 12,0 %. Während ein Verbraucherinsolvenzverfahren läuft, fließt das pfändbare Einkommen in die Masse; früh verteilt werden vor allem Verfahren ohne pfändbares Einkommen. Bei Kleingewerbe & Selbstständigen zeigt sich derselbe Verlauf, bei Unternehmen kaum.

Verteilungen im Q3 2026 nach Jahr des Insolvenzantrags

0 %20 %40 %60 %80 %100 %≤181920212223242526
PrivatpersonenKleingewerbe & SelbstständigeUnternehmen
Anteil mit Ausschüttung · Jahrgänge ab 30 Verteilungen

Einzelfälle

Die größten Verteilungen

Unternehmensverteilungen im Quartal, nach Höhe der Forderungen.

Unternehmensverteilungen im Q3 2026

SchuldnerForderungenMasseQuote
KARSTADT QUELLE Service GmbHAbschlag1,11 Mrd. €72,9 Mio. €6,6 %
Greensill Bank AGAbschlag1,08 Mrd. €209,3 Mio. €19,4 %
Verwaltung St. Bonifatius Shipping Holding GmbH219,4 Mio. €16 Tsd. €0,01 %
Hertie GmbH192,3 Mio. €10 Mio. €5,2 %
Beteiligungsgesellschaft Reefer-Flottenfonds mbH & Co. KGAbschlag133,1 Mio. €800 Tsd. €0,6 %
Verwaltung Beteiligungsgesellschaft Reefer-Flottenfonds mbh132,4 Mio. €9.431 €0,01 %
HI Hamburg International Luftverkehrsgesellschaft mbH & Co. Betriebs-KG94,1 Mio. €5,9 Mio. €6,2 %
Einkaufszentrum "HVD Dresden" S.à.r.l. & Co. KG92 Mio. €5,3 Mio. €5,7 %

KARSTADT QUELLE Service GmbH

AG Essen · 160 IN 123/09 · 72,9 Mio. € für 1,11 Mrd. € Forderungen · Quote 6,6 %

Zweite Abschlagsverteilung binnen vier Monaten: Im Mai wurden bereits 87,25 Mio. € auf dieselben 1,11 Mrd. € Forderungen verteilt. Zusammen sind das rund 160 Mio. € oder gut 14 Cent je Euro – 17 Jahre nach dem Insolvenzantrag.

Greensill Bank AG

AG Bremen · 508 IN 6/21 · 209,3 Mio. € für 1,08 Mrd. € Forderungen · Quote 19,4 %

Sechste Abschlagsverteilung, ausschließlich an die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken als einzige bevorrechtigte Gläubigerin. Auf deren 1,08 Mrd. € Forderungen wurden bereits 870 Mio. € gezahlt; mit den jetzt verteilten 209,3 Mio. € ist dieser Rang vollständig bedient. Die ausgewiesene Quote bezieht sich nur auf diese Tranche.

Hertie GmbH

AG Essen · 164 IN 119/08 · 10 Mio. € für 192,3 Mio. € Forderungen · Quote 5,2 %

Schlussverteilung im Verfahren der Warenhauskette Hertie, 18 Jahre nach dem Antrag aus dem Jahr 2008.

Beteiligungsgesellschaft Reefer-Flottenfonds mbH & Co. KG

AG Hamburg · 67a IN 52/19 · 800 Tsd. € für 133,1 Mio. € Forderungen · Quote 0,6 %

Der Kühlschiff-Fonds und seine Komplementär-GmbH (67a IN 59/19) haben dieselben Gläubiger mit rund 132 Mio. € Forderungen. Abschlags- und Schlussverteilungen bringen zusammen gut 0,8 Mio. € – weniger als ein Cent je Euro.

Am anderen Ende stehen 556 Verteilungen, in denen die Masse die Forderungen vollständig deckt – meist kleine Verfahren mit wenigen Gläubigern. Unter den größeren fallen auf:

Hirtler Seifen GmbH

AG Offenbach am Main · 8 IE 4/18 · 5 Mio. € für 3,3 Mio. € Forderungen · Quote 100 %

Die Masse übersteigt die festgestellten Forderungen im Rang des § 38 InsO. Die Insolvenzgläubiger werden vollständig befriedigt, der Überschuss reicht zusätzlich in die nachrangigen Forderungen hinein.

PROJECT PG Am Borsigturm 74 Berlin GmbH & Co. KG

AG Nürnberg · IN 1165/23 · 7,3 Mio. € für 7,3 Mio. € Forderungen · Quote 100 %

Projektgesellschaft der 2023 insolventen PROJECT-Immobiliengruppe: Abschlagsverteilung in Höhe von 100 %.

GMH Guss GmbH

AG Hagen · 103 IN 43/20 · 8,2 Mio. € für 14,6 Mio. € Forderungen · Quote 56,1 %

Gut 56 Cent je Euro – ungewöhnlich viel für ein Industrieverfahren dieser Größe.

Fazit

Was bedeutet das für Gläubiger?

  • Bei Privatpersonen ist die Nullquote der Normalfall. In 59 % der Verfahren kommt nichts an, und wenn doch, im Median 4,6 Cent je Euro. Entscheidend ist, von der Insolvenz eines Kunden zu erfahren, bevor weitere Leistungen auf Rechnung erbracht werden.
  • Bei Unternehmen lohnt die Forderungsanmeldung fast immer. Knapp 9 von 10 Verteilungen schütten aus, im Median 15,6 Cent je Euro.
  • Geduld zahlt sich aus. Ältere Privatverfahren zahlen deutlich mehr; große Unternehmensverfahren laufen oft über ein Jahrzehnt und verteilen in mehreren Abschlägen.
  • Kleingewerbe & Selbstständige liegen dazwischen: 59 % mit Ausschüttung, im Median 5,7 Cent je Euro.

Insolvenzquote im Detail

Wie hoch ist die Quote in Ihrer Branche, an Ihrem Amtsgericht oder in Ihrer PLZ-Region? Alle Werte der letzten vier Quartale, jedes Quartal aktualisiert.

Zur Insolvenzquote
Methodik und Definitionen
Datenbasis
Alle Verteilungsverzeichnisse (§ 188 InsO), die im Zeitraum Q3 2026 auf insolvenzbekanntmachungen.de veröffentlicht wurden (26.050 Bekanntmachungen). Massebestand und Forderungssumme werden maschinell aus den Bekanntmachungstexten gelesen. Mehrfach oder korrigiert veröffentlichte Verzeichnisse (gleiches Aktenzeichen, Gericht und Massebestand) zählen einmal, in der jüngsten Fassung.
Schuldnergruppen
Unternehmen: Schuldner mit Handelsregistereintrag. Privatpersonen: Verbraucherinsolvenzen (Registerzeichen IK). Kleingewerbe & Selbstständige: übrige Verfahren ohne Registereintrag, darunter Nachlassinsolvenzen.
Kennzahlen
Mit Ausschüttung: Anteil der Verteilungen mit bezifferten Forderungen, deren Massebestand größer null ist. Median bei Ausschüttung: mittlere Quote dieser Verteilungen – die Hälfte der Verfahren mit Ausschüttung zahlt mehr, die Hälfte weniger (Einzelquoten auf 100 % begrenzt). Aggregierte Quote: Summe Massebestand durch Summe Forderungen der Verteilungen mit Ausschüttung, also der Anteil der Forderungen, der insgesamt zurückfließt. Sie wird von wenigen Großverfahren bestimmt und deshalb nur für die Schuldnergruppen insgesamt ausgewiesen, nicht für Branchen, Gerichte oder Regionen.
Weitere Merkmale
Verfahrensjahrgang: Jahreszahl im Aktenzeichen, in der Regel das Jahr des Insolvenzantrags. Branche: aus der Eröffnungsbekanntmachung bzw. dem Handelsregister. Postleitzahl, Alter und Geschlecht: aus dem Bekanntmachungstext. Gerichte und Regionen ab 100 Verteilungen an Privatpersonen.
Einschränkungen
Der Massebestand ist der Betrag vor Abzug von Gerichtskosten und Verwaltervergütung; bei den Gläubigern kommt etwas weniger an. Verfahren, die mangels Masse eingestellt werden, veröffentlichen kein Verteilungsverzeichnis und sind nicht enthalten. Ob ein Gericht auch in Verfahren ohne verteilbare Masse ein Verzeichnis veröffentlicht, ist unterschiedlich – Gerichtsvergleiche zeigen deshalb auch Unterschiede in der Praxis.

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