Zurück zum BlogAnalyse

Insolvenzjahresbericht 2024/2025: Insolvenzentwicklung in Deutschland

Im Jahr 2025 wurden in Deutschland 117.961 Insolvenzverfahren eröffnet (+2,0 % vs. 2024). Unternehmensinsolvenzen legten mit +6,9 % deutlich stärker zu als Privatinsolvenzen. Unsere datengestützte Analyse auf Basis von über 250.000 amtlichen Bekanntmachungen.

27. Februar 2026·ca. 8 Min. Lesezeit

Gesamtüberblick: Insolvenzen in Deutschland 2024 und 2025

Deutschland durchlebt seit 2023 eine Phase anhaltender wirtschaftlicher Stagnation. Hohe Energiekosten, gedämpfte Exportnachfrage und struktureller Transformationsdruck – etwa durch Elektromobilität und Digitalisierung – belasten Unternehmen aller Größenklassen. Gleichzeitig hat das Ende staatlicher Corona-Hilfen die finanzielle Resilienz vieler Betriebe nachhaltig reduziert. Diese Entwicklungen spiegeln sich unmittelbar in den Insolvenzzahlen wider.

Im Jahr 2025 wurden in Deutschland insgesamt 117.961 Insolvenzverfahren eröffnet – ein Anstieg von 2,0 % gegenüber 2024 (115.642). Hinzu kamen 12.693 Anträge, die mangels ausreichender Insolvenzmasse gar nicht erst eröffnet wurden.

  • Eröffnungen gesamt: 117.961 (+2,0 % vs. 2024)
  • davon Unternehmen (HR-Eintrag): 11.787 (+6,9 %)
  • davon Privatpersonen: 106.174 (+1,5 %)
  • Abweisungen mangels Masse: 12.693 (+16,0 %)
  • Abweisungsquote: 9,7 % (2024: 8,6 %)
  • Abb. 1: Monatliche Eröffnungen und Abweisungen 2024–2025
    Abb. 1: Monatliche Eröffnungen und Abweisungen 2024–2025

    Besonders auffällig ist der überproportionale Anstieg der Abweisungen mangels Masse: Fast jeder zehnte Insolvenzantrag (9,7 %) wurde 2025 abgelehnt, weil das Schuldnervermögen nicht einmal die Verfahrenskosten deckt – ein Indikator für zunehmende wirtschaftliche Auszehrung vor der Insolvenzanmeldung.

    Unternehmensinsolvenzen: Deutlicher Anstieg

    Unternehmensinsolvenzen – also Verfahren, bei denen der Schuldner einen Handelsregistereintrag besitzt – stiegen 2025 um 6,9 % auf 11.787 Fälle. Das ist der stärkste Anstieg innerhalb der erfassten Gesamtzahlen und unterstreicht die wachsende Belastung des deutschen Mittelstands.

    Als Unternehmensinsolvenz erfassen wir jeden Fall, bei dem im Bekanntmachungstext ein Handelsregistereintrag (HR-Nummer) ausgewiesen ist. Das betrifft vorwiegend GmbHs, UGs, AGs, KGs sowie größere Einzelunternehmen. Kleingewerbetreibende ohne HR-Eintrag werden unter Privatinsolvenzen geführt.

    Die am stärksten betroffenen Branchen 2025

    Für 12.841 der 2025 eröffneten Unternehmensinsolvenzen liegen Branchendaten vor. Die am häufigsten betroffenen Sektoren lassen klare Muster erkennen:

    Abb. 2: Top 20 Branchen nach Unternehmensinsolvenzen 2025 (n = 12.841)
    Abb. 2: Top 20 Branchen nach Unternehmensinsolvenzen 2025 (n = 12.841)
  • Immobilien (7,5 %): Steigende Finanzierungskosten, sinkende Bewertungen und eine eingebrochene Neubaunachfrage haben zahlreiche Projektentwickler und Bestandshalter in die Insolvenz getrieben.
  • Hotel & Gastronomie (6,8 %): Das Gastgewerbe kämpft mit gestiegenen Lebensmittel- und Personalkosten sowie einem veränderten Konsumverhalten nach der Pandemie.
  • Finanzdienstleistungen & Beteiligungsgesellschaften (6,7 %): Vor allem Holdingstrukturen, die in schwache Portfoliounternehmen investiert hatten, gerieten unter Druck.
  • Handwerksbetriebe (6,1 %) & Bau (Nebengewerbe 5,1 %, Bauunternehmen 4,2 %): Der Bausektor insgesamt macht knapp 10 % aller Unternehmensinsolvenzen aus – getrieben durch Auftragsrückgänge im Wohnungsbau und gestiegene Materialpreise.
  • Transport & Logistik (5,5 %): Hohe Dieselpreise, Fahrermangel und Margendruck durch große Auftraggeber belasten den Sektor.
  • Privatinsolvenzen: Hohes Niveau, moderater Anstieg

    Mit 106.174 Eröffnungen im Jahr 2025 verharren Privatinsolvenzen auf hohem Niveau (+1,5 % vs. 2024). Der leichte Anstieg deutet darauf hin, dass der Nachholeffekt nach dem Moratorium der Corona-Jahre weitgehend abgearbeitet ist. Dennoch bleibt die Zahl der überschuldeten Privatpersonen strukturell hoch.

    Abb. 3: Monatliche Eröffnungen – Privatpersonen vs. Unternehmen
    Abb. 3: Monatliche Eröffnungen – Privatpersonen vs. Unternehmen

    Die monatliche Betrachtung zeigt eine bemerkenswerte Stabilität: Privatinsolvenzen schwanken weniger stark als Unternehmensfälle. Besonders der Juli 2025 sticht mit insgesamt 11.822 Eröffnungen hervor – dem höchsten Einzelmonatswert des gesamten Beobachtungszeitraums.

    Regionale Analyse: Starke Unterschiede zwischen den Bundesländern

    Die regionalen Unterschiede sind erheblich – sowohl in absoluten Zahlen als auch in der Wachstumsdynamik. Nordrhein-Westfalen bleibt mit Abstand das Bundesland mit den meisten Insolvenzen (57.963 Eröffnungen im Zweijahreszeitraum), verzeichnet aber als einziges der großen Flächenländer einen leichten Rückgang (-0,9 %).

    Abb. 4: Eröffnungen nach Bundesland – absolut und YoY-Veränderung
    Abb. 4: Eröffnungen nach Bundesland – absolut und YoY-Veränderung

    Besonders dynamisch entwickelten sich:

  • Hessen: +8,8 %
  • Bayern: +7,4 %
  • Sachsen-Anhalt: +6,5 %
  • Baden-Württemberg: +6,4 %
  • Niedersachsen: +4,6 %
  • Rückgänge gab es vor allem in Bremen (-8,8 %), Berlin (-6,1 %) und Hamburg (-4,3 %).

    Abb. 5: Heatmap – Eröffnungen nach Bundesland und Quartal
    Abb. 5: Heatmap – Eröffnungen nach Bundesland und Quartal

    Insolvenzgerichte: München und Stuttgart mit stärkstem Anstieg

    Hamburg ist mit 7.860 Verfahren das insolvenzstärkste Gericht im Zweijahreszeitraum, knapp gefolgt von Köln (7.697). Besonders auffällig sind die starken Zuwächse bei Stuttgart (+21,9 %), Hannover (+16,9 %) und München (+13,3 %) – allesamt Wirtschaftszentren, die von der Insolvenzwelle im Unternehmensbereich besonders erfasst werden.

    Abb. 6: Top 20 Insolvenzgerichte nach Eröffnungen 2024 und 2025
    Abb. 6: Top 20 Insolvenzgerichte nach Eröffnungen 2024 und 2025

    Saisonale Muster und monatliche Entwicklung

    Die Insolvenzzahlen zeigen ein klares saisonales Muster:

  • Jahresbeginn stark: Januar und Februar sind traditionell die insolvenzstärksten Monate – Unternehmen, die das Weihnachtsgeschäft nicht gerettet hat, melden zu Jahresbeginn Insolvenz an.
  • Frühjahrsdelle: April bis Juni zeigen regelmäßig geringere Fallzahlen (in 2025 jedoch mit starken Anstiegen von bis zu +17,6 % gegenüber Vorjahr).
  • Sommeranstieg: Juli markiert mit 11.822 Eröffnungen den absoluten Spitzenwert im Beobachtungszeitraum.
  • Jahresende ruhiger: November (-15,0 % vs. Vorjahr) und Dezember fallen typischerweise schwächer aus, da Gerichte und Insolvenzverwalter Verfahrensabschlüsse priorisieren.
  • Ausblick

    Die Daten für 2025 lassen für die kommenden Monate keine schnelle Entlastung erwarten. Die strukturellen Herausforderungen – Hochzinsumfeld, schwache Konsumnachfrage, Transformation in Schlüsselindustrien – bleiben bestehen. Folgende Entwicklungen sollten besonders im Blick behalten werden:

  • Abweisungsquote als Frühindikator: Die steigende Quote (9,7 %) deutet darauf hin, dass immer mehr Unternehmen erst dann Insolvenz beantragen, wenn bereits kein verwertbares Vermögen mehr vorhanden ist. Das erschwert eine geordnete Abwicklung und schadet Gläubigern.
  • Bau- und Immobiliensektor: Beide Sektoren stehen zusammen für rund 17 % aller Unternehmensinsolvenzen. Solange die Baukonjunktur nicht anzieht, ist hier keine Entspannung in Sicht.
  • Süddeutsche Gerichte unter Druck: Die starken Anstiege in Stuttgart (+21,9 %), München (+13,3 %) und Hannover (+16,9 %) deuten auf regional konzentrierte Wellen hin.
  • Privatinsolvenzen – stabil aber erhöht: Steigende Lebenshaltungskosten und das Ende günstiger Konsumkredite könnten 2026 für einen neuen Schub sorgen.
  • Methodik und Definitionen

    Die vorliegende Analyse basiert auf allen Insolvenzbekanntmachungen, die im Zeitraum 1. Januar 2024 bis 31. Dezember 2025 auf dem amtlichen Portal insolvenzbekanntmachungen.de veröffentlicht wurden. Der Datensatz umfasst 257.234 Einträge.

  • Eröffnung: Das Insolvenzgericht hat ein Verfahren formal eröffnet. Ein Insolvenzverwalter wurde bestellt.
  • Abweisung mangels Masse: Der Antrag wurde abgewiesen, weil das Vermögen des Schuldners nicht ausreicht, die voraussichtlichen Kosten des Verfahrens zu decken (§ 26 InsO).
  • Unternehmensinsolvenz: Verfahren mit Handelsregistereintrag (HR-Nummer). Umfasst GmbHs, UGs, AGs, KGs, OHGs und eingetragene Einzelunternehmen.
  • Privatinsolvenz (Verbraucherinsolvenz): Alle Verfahren ohne HR-Eintrag, einschließlich Kleingewerbetreibende ohne Handelsregistereintrag.
  • Abweisungsquote: Anteil der Abweisungen mangels Masse an der Gesamtzahl aller Anträge (Eröffnungen + Abweisungen).
  • Hinweis zur Branchenanalyse: Die Erfassung der Branchendaten begann im November 2024, weshalb die Analyse ausschließlich das Jahr 2025 abbildet. Ein Jahresvergleich ist daher nicht möglich.
  • Artikel teilen

    Schützen Sie Ihr Unternehmen noch heute

    Starten Sie kostenlos und überwachen Sie bis zu 10 Unternehmen. Keine Kreditkarte erforderlich.

    Keine Kreditkarte nötig
    In 2 Minuten startklar
    Jederzeit kündbar