Gesamtüberblick: Insolvenzen in Deutschland 2024 und 2025
Deutschland durchlebt seit 2023 eine Phase anhaltender wirtschaftlicher Stagnation. Hohe Energiekosten, gedämpfte Exportnachfrage und struktureller Transformationsdruck – etwa durch Elektromobilität und Digitalisierung – belasten Unternehmen aller Größenklassen. Gleichzeitig hat das Ende staatlicher Corona-Hilfen die finanzielle Resilienz vieler Betriebe nachhaltig reduziert. Diese Entwicklungen spiegeln sich unmittelbar in den Insolvenzzahlen wider.
Im Jahr 2025 wurden in Deutschland insgesamt 117.961 Insolvenzverfahren eröffnet – ein Anstieg von 2,0 % gegenüber 2024 (115.642). Hinzu kamen 12.693 Anträge, die mangels ausreichender Insolvenzmasse gar nicht erst eröffnet wurden.

Besonders auffällig ist der überproportionale Anstieg der Abweisungen mangels Masse: Fast jeder zehnte Insolvenzantrag (9,7 %) wurde 2025 abgelehnt, weil das Schuldnervermögen nicht einmal die Verfahrenskosten deckt – ein Indikator für zunehmende wirtschaftliche Auszehrung vor der Insolvenzanmeldung.
Unternehmensinsolvenzen: Deutlicher Anstieg
Unternehmensinsolvenzen – also Verfahren, bei denen der Schuldner einen Handelsregistereintrag besitzt – stiegen 2025 um 6,9 % auf 11.787 Fälle. Das ist der stärkste Anstieg innerhalb der erfassten Gesamtzahlen und unterstreicht die wachsende Belastung des deutschen Mittelstands.
Als Unternehmensinsolvenz erfassen wir jeden Fall, bei dem im Bekanntmachungstext ein Handelsregistereintrag (HR-Nummer) ausgewiesen ist. Das betrifft vorwiegend GmbHs, UGs, AGs, KGs sowie größere Einzelunternehmen. Kleingewerbetreibende ohne HR-Eintrag werden unter Privatinsolvenzen geführt.
Die am stärksten betroffenen Branchen 2025
Für 12.841 der 2025 eröffneten Unternehmensinsolvenzen liegen Branchendaten vor. Die am häufigsten betroffenen Sektoren lassen klare Muster erkennen:

Privatinsolvenzen: Hohes Niveau, moderater Anstieg
Mit 106.174 Eröffnungen im Jahr 2025 verharren Privatinsolvenzen auf hohem Niveau (+1,5 % vs. 2024). Der leichte Anstieg deutet darauf hin, dass der Nachholeffekt nach dem Moratorium der Corona-Jahre weitgehend abgearbeitet ist. Dennoch bleibt die Zahl der überschuldeten Privatpersonen strukturell hoch.

Die monatliche Betrachtung zeigt eine bemerkenswerte Stabilität: Privatinsolvenzen schwanken weniger stark als Unternehmensfälle. Besonders der Juli 2025 sticht mit insgesamt 11.822 Eröffnungen hervor – dem höchsten Einzelmonatswert des gesamten Beobachtungszeitraums.
Regionale Analyse: Starke Unterschiede zwischen den Bundesländern
Die regionalen Unterschiede sind erheblich – sowohl in absoluten Zahlen als auch in der Wachstumsdynamik. Nordrhein-Westfalen bleibt mit Abstand das Bundesland mit den meisten Insolvenzen (57.963 Eröffnungen im Zweijahreszeitraum), verzeichnet aber als einziges der großen Flächenländer einen leichten Rückgang (-0,9 %).

Besonders dynamisch entwickelten sich:
Rückgänge gab es vor allem in Bremen (-8,8 %), Berlin (-6,1 %) und Hamburg (-4,3 %).

Insolvenzgerichte: München und Stuttgart mit stärkstem Anstieg
Hamburg ist mit 7.860 Verfahren das insolvenzstärkste Gericht im Zweijahreszeitraum, knapp gefolgt von Köln (7.697). Besonders auffällig sind die starken Zuwächse bei Stuttgart (+21,9 %), Hannover (+16,9 %) und München (+13,3 %) – allesamt Wirtschaftszentren, die von der Insolvenzwelle im Unternehmensbereich besonders erfasst werden.

Saisonale Muster und monatliche Entwicklung
Die Insolvenzzahlen zeigen ein klares saisonales Muster:
Ausblick
Die Daten für 2025 lassen für die kommenden Monate keine schnelle Entlastung erwarten. Die strukturellen Herausforderungen – Hochzinsumfeld, schwache Konsumnachfrage, Transformation in Schlüsselindustrien – bleiben bestehen. Folgende Entwicklungen sollten besonders im Blick behalten werden:
Methodik und Definitionen
Die vorliegende Analyse basiert auf allen Insolvenzbekanntmachungen, die im Zeitraum 1. Januar 2024 bis 31. Dezember 2025 auf dem amtlichen Portal insolvenzbekanntmachungen.de veröffentlicht wurden. Der Datensatz umfasst 257.234 Einträge.