Insolvenztrends in Deutschland – Analyse von März bis Dezember 2024

Seit März 2024 analysiert der Insolvenzmonitor Insolvenzbekanntmachungen und bietet Einblicke in die Insolvenzdynamik.

Insolvenztrends in Deutschland – Analyse von März bis Dezember 2024

Seit März 2024 analysiert der Insolvenzmonitor systematisch alle veröffentlichten Insolvenzbekanntmachungen in Deutschland. Auch wenn noch kein volles Kalenderjahr vorliegt, lässt sich auf Basis von über hunderttausend Verfahren bereits ein klares Bild der aktuellen Insolvenzdynamik zeichnen. Der folgende Bericht fasst die zentralen Entwicklungen zusammen und gibt einen Ausblick auf weitere Auswertungsmöglichkeiten.


📊 Überblick über Verfahrensarten

Zwischen März und Dezember 2024 folgende Daten erfasst:

  • Eröffnungen:

    • Firmeninsolvenzen: 8.662

    • Privatinsolvenzen: 89.675

  • Abweisungen mangels Masse:

    • Firmen: 5.405

    • Privatpersonen: 4.972

  • Sicherungsmaßnahmen:

    • Firmen: 6.038

    • Privatpersonen: 3.752

Die Zahlen zeigen: Während Privatinsolvenzen zahlenmäßig dominieren, ist der Anteil der nicht eröffneten Verfahren („mangels Masse abgewiesen“) bei Firmen deutlich höher – ein Indiz für strukturelle wirtschaftliche Schwächen ohne verwertbares Vermögen.


📈 Dynamik im Zeitverlauf

Die Monatsauswertung verdeutlicht:

  • Firmeninsolvenzen nahmen ab Juli 2024 deutlich zu, mit einem Höhepunkt im Oktober und November.

  • Privatinsolvenzen blieben über das Jahr hinweg relativ konstant, mit leicht erhöhten Werten im Spätsommer.

 

Der Anstieg im zweiten Halbjahr könnte auf das Auslaufen stiller Reserven, pandemiebedingte Nachholeffekte oder zurückgestellte Anträge zurückzuführen sein.


🧩 Erweiterte Merkmale: Branche, Kapital, Verwalter (seit Herbst 2024)

Seit Herbst 2024 werden zusätzlich strukturierte Unternehmensdaten erfasst, darunter:

  • Branche (über NACE-Code)

  • Stammkapital

  • Bundesland / PLZ-Region

  • Name des Insolvenzverwalters

Da diese Informationen erst ab dem Spätherbst 2024 flächendeckend vorliegen, können sie für den Gesamtzeitraum noch nicht belastbar ausgewertet werden. Erste Stichproben zeigen jedoch eine Häufung von Insolvenzen in folgenden Bereichen:

  • Baugewerbe

  • Einzelhandel

  • Unternehmensberatung und Vermittlung

  • Transport & Logistik

Diese Datenbasis wird künftig genutzt, um monatlich strukturierte Auswertungen nach Branche, Region und Verwalterstruktur bereitzustellen.


🔎 Verfahrensvielfalt und hohe Bekanntmachungsdichte

Neben den klassischen Eröffnungen und Abweisungen zeigt sich eine hohe Anzahl von Bekanntmachungen zu:

  • Entscheidungen im Restschuldbefreiungsverfahren

  • Verteilungsverzeichnissen

  • Verfahrensfortschritten

Diese spiegeln nicht zwingend neue Verfahren wider, sondern dokumentieren oft einzelne Abschnitte bestehender Verfahren. Ihre hohe Zahl ist Ausdruck des administrativen Aufwands und der Vielzahl aktiver Altverfahren.


📌 Fazit und Ausblick

  • Die Zahl der Firmeninsolvenzen stieg ab dem Sommer 2024 signifikant an, ein Warnsignal für Teile der Wirtschaft.

  • Privatinsolvenzen bewegen sich auf konstant hohem Niveau, mit leichten saisonalen Schwankungen.

  • Die Datenbasis wird monatlich breiter und präziser, insbesondere durch neue Merkmale wie Branche, Kapitalstruktur und Verwalter.

Ab März 2025 wird erstmals ein 12-monatiger Rollzeitraum zur Verfügung stehen, der belastbare Jahresvergleiche und Trendprognosen ermöglichen wird.

 

Insolvenzstatistik

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